Website-Marketing

Die Verlags-Site als Profit-Center - Welche Produkte?
Verkauf von Inhalten
Bleibt der Online-Verkauf der redaktionellen Inhalte
- einmal parallel zum Print-Abo als Online-Abo für geschlossene
Benutzer-Bereiche oder als
- eine Art Pay per View, wie schon seit langem bei den großen
Wissensdatenbanken der Informations-Händler (in Deutschland etwa Genios
oder die Fachinformations-Zentren, FIZ) im Netz und zum anderen
als
- Verkauf der redaktionellen Leistung an andere Server (Content
Syndication),
- Zweitverwertungen aus Online-Inhalten als Print-Broschüren oder gar
Bücher (Zusammenfassungen unter einzelnen Themen ähnlich
"Jahrbüchern" oder "Specials" bei Zeitschriften -
aber diesmal von on- zu offline, eine Art "Eigen-Syndication").
Dabei hat sich eine Mischform aus kostenlosen
Informationsdienstleistungen (als Teaser, oft promotet via Newsletter) und
kostenpflichtigen Premium-Angeboten als tragfähigste Lösung
durchgesetzt. (Beipiel etwa Hightext
oder Handelsblatt
Topix)
Natürlich gibt es überhaupt keinen Grund, warum ein Verleger eine
geldwerte Information, deren Beschaffung und Aufbereitung ihn ja auch Geld
gekostet hat, nicht auch im Internet für einen angemessenen Preis
verkaufen kann.
Die Frage ist nur: Kann er wirklich?
Und die Antwort ist leider in der Mehrzahl der Fälle: Nein!
Online-Abo oder Add-On?
In einer "Informations-Verschenk-Kultur" ist die Ausgrenzung von
Nutzern über den Eintrittspreis für geschlossene Inhaltsbereiche fast
immer der Anfang vom Ende einer Site. Selbst wirklich hervorragend
gemachte und nutzwert-schwere Fach-Angebote haben den Versuch einer
Abo-Gebühr wieder aufgegeben.
Je mehr allerdings die einzelnen Inhalte den Besonderheiten des
Mediums Internet angepasst und die Chancen genutzt werden, desto
wahrscheinlicher wird es, dass die Abonnenten bereit sind, für diesen
Zusatznutzen zu zahlen. (s. dazu auch die Studie
von Ears and Eyes, 11/00)
Andererseits zeigen erste Erfahrungen, dass selbst dann, wenn
Volltexte (u.U. ganze Bücher) kostenlos ins Netz gestellt werden, der „Teaser-Effekt“
(ich überzeuge mich durch Probelesen von der Qualität und kaufe dann das
Print-Exemplar) den „Kannibalisierungs-Effekt“ weit übertreffen kann
(das hängt natürlich stark von der Art der Texte ab).
Natürlich ist auch das Online-Abonnement, etwa bei Fachzeitschriften,
als Dreingabe zum Offline-Abo „geldwert“. Durch die besonderen
Stärken der Online-Recherche und andere online-spezifische Services dient
es der Abonnenten-Bindung und rechtfertigt den Print-Abo-Preis im
Konkurrenzkampf.
Virtuelle Zeitschriften
Im Kommen sind auch sogenannte „virtuelle“ Zeitschriften. Das sind
nicht etwa Zeitschriften, die nur auf dem Online-Vertriebsweg
verbreitet werden, sondern in der Regel thematisch ganz eng gefasste
Sammlungen von Artikeln anderer Zeitschriften unter einem neuen, „virtuellen“
Titel.
Ein anderes Zukunftsmodell vor allem für wissenschaftliche
Publikationen, das derzeit typischerweise wieder einmal überwiegend von
verlagsfremden Anbietern im Internet erprobt wird und das Potential
für ganz neue Formen des „Content-Providing“ hat sind sogenannte „Preprint
Server“ .
PrePrint-Publishing
Hier können Autoren über vorgegebene Eingaben-Masken direkt „ins
Internet publizieren“. Am anderen Ende werden die Beiträge nur noch
bewertet, (aus)sortiert und freigeschaltet und stehen damit für die
Online-Recherche zur Verfügung. Gleichzeitig kann der Leser online
direkt seinen Kommentar, seine Bewertung, seinen Diskussionbeitrag
dazustellen. Die Diskussion wird integraler Bestandteil des
Publikationsprozesses. Der Prozeß selbst verkürzt sich dramatisch und
verlebendigt sich durch die Chancen zur Interaktion.
Co-Publishing
Wenn eine Gruppe konkurrierender (sic!) Verlage klug genug ist, gemeinsam
ihre thematisch breiter angelegten, konkurrierenden Titel auf einem
gemeinsam betriebenen Server online zu „kannibalisieren“, schaffen sie
plötzlich neue Informationswerte, Nischenzeitschriften sozusagen, die
sich nur so und nur online als Zweitverwertungen rechnen können.
(Fiktives! Beispiel: Die Zeitschriften für Tierernährung, das Journal
für den Tierhalter und die Tierärztlichen Praxisblätter
betreiben einen gemeinsamen Server mit den „virtuellen“ Titeln Die
Gesundheit der Kanarienvögel, Lurchhaltung und Pflege,
sowie Die milchstarke Kuh. Finanzierungsmodelle: wie bei
allen anderen Online-Publikationen auch).
Der Markt für "Branded Content" im Internet kommt erst
noch
Insgesamt: Verlage sollten die Abo-Option auch für ihre genuinen
Titel weiterverfolgen. Ihre offline etablierten Informationsmarken (Branded
Content) sind im Prinzip auch online durchsetzbar – je mehr, je
größer der Frust der Nutzer über den kostenlosen
Online-Informationsschrott wird, den die Internet-Recherche regelmäßig
anspült.
Ermutigend dabei sind weniger die Erfolge einiger, weniger
Online-Abo-Angebote großer Verlage oder der relative wirtschaftliche
Erfolg der traditionellen Online-Datenbank-Anbieter sondern vielmehr die
Erwartung, dass die Marktbereinigung in der Online-Szene, die
Kommerzialisierung des Internet und damit der "Kulturwandel",
die bessere Beherrschung der technologischen Möglichkeiten und
schließlich vor allem die Durchsetzung des seit einer Ewigkeit
angekündigten und erwarteten Micro-Payments (sichere und vor allem
absolut einfache Zahlungsmöglichkeiten auch für Pfennigbeträge) die
Wende hin zum Abo-Geschäft im Internet einläuten werden.
© lb medien 2001
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