Website-Marketing

Die Web-Site als Profit-Center - Anmerkungen zu eCommerce
Die Unterscheidung von Electronic Marketing und Electronic
Commerce ist natürlichen einigermaßen künstlich. Das
Unterscheidungskriterium ist, grob gesagt, der Online-Shop.
Aber selbst hier ist die Trennlinie eher verschwommen: 70 - 80 Prozent
aller Internet-Nutzer, die auszogen, im Internet einzukaufen, scheuen vor
dem letzten Klick zurück und bestellen doch lieber offline - die meisten
von ihnen beim gleichen Anbieter! In einer internationalen Studie (AmEX
11/2000) gaben mehr als zwei Drittel der Befragten an, die E-commerce
Sites zur Information über Produkte zu benutzen - und dann doch offline
zu kaufen. Damit hat selbst der Online-Shop ganz überwiegend eine
Marketing-Funktion.
Zugespitzt an einem Beispiel lässt sich daher feststellen: Amazon,
weltgrößter Online-Buchhändler, hat dem stationären Buchhandel
vermutlich weit mehr Kunden zugeführt als weggenommen!
Der Kunde ist also immer versucht, sich den Medien-"Kanal"
jeweils für Informationen, Services und für den Einkauf auszusuchen, der
ihm im Moment am nächsten, bequemsten, vertrauenswürdigsten,
vertrautesten etc. ist.
Die Anbieter müssen versuchen, sich darauf einzustellen und die
verschiedenen Kanäle nicht nur nebeneinander anzubieten, sondern den
Wechsel von einem Kanal zum anderen zu ermöglichen und zu erleichtern.
Beispiel: Ein Buchkäufer etwa sollte sich nacheinander oder
gelegentlich auch gleichzeitig über einen Print-Katalog einen Überblick
verschaffen, online Informationen abrufen, per Telefon beim
Verlags-Callcenter spezifische Fragen beantwortet bekommen, online
bestellen und das Buch in der Buchhandlung um die Ecke abholen und
bezahlen können. Wie immer im Internet, hat auch diese Strategie-Vision
einen flotten Begriffs-Aufkleber bekommen:
Multi-Channel-Marketing
Am Ende des Goldrauschs - das ganz alltägliche Online-Geschäft
Die Teilnahme am großen Run auf die prognostizierten Online-Milliarden konzentriert sich überwiegend auf die
E-commerce-Komponente im Netz, egal ob Business-to-Consumer,
Consumer-to-Consumer, Business-to-Business, ob Ein- oder Verkauf (Sales
oder Procurement).
An dem erwarteten Gesamtvolumen der Internetwirtschaft 2004 von 1.200
Milliarden Dollar soll der elektronische Handel mit 1.100 Milliarden
beteiligt sein, so die jüngste Prognose der Gartner
Group.
Mit der Krise der Dot.coms ist allerdings inzwischen einiger Reif auf
die Blütenträume vom schnellen Online-Geld gefallen.
Die US-Zahlen von fast 65 Prozent der E-commerce-Sites, die nach einem
Anlaufjahr schwarze Zahlen schrieben (ActiveMedia 99) waren schon
immer stark "interpretationsfähig" und eher ein Ausweis dafür,
dass das Web-Controlling noch in den Kinderschuhen steckt.
E-commerce: macht das Sinn?
Das Thema E-Commerce kann hier nur angerissen, nicht wirklich abgehandelt
werden. (s. die Einführungen und die umfangreiche Online-Literatur zum
Thema auf den im Sprungbrett
gelisteten Web-Sites)
Wenn die strategische Entscheidung gefallen ist: Die Web-Site wird zum
selbstständigen Geschäftsfeld im Unternehmen, vom Cost- zum
Profit-Center, hat das natürlich entscheidende Konsequenzen nicht nur
für das Web-Marketing sondern ebenso für das Design, die Nutzerführung
(Usability), die Kooperations-Strategien (ein Partnerprogramm für
eine E-commerce-Site ist z.B. anders ausgelegt als für eine Site mit
reinen Marketing-Aufgaben oder eine werbefinanzierte Site) etc.
Am Anfang stehen Fragen wie:
- Was soll auf der Web-Site verkauft werden?
- Sind die Produkte die Online angeboten werden sollen, für den
Online-Vertrieb überhaupt geeignet?
- Rechtfertigt der Mehrumsatz und/oder die so erzielte Kundenbindung
die erheblichen Mehrkosten in Design und Programmierung im Vergleich
zur reinen Marketing-Site?
- Hat das Unternehmen die Ressourcen und das Know-how (oder kann es
beschaffen), eine langfristige E-commerce-Strategie zu verfolgen, die
die ganz spezifischen Vorteile des Online-Handels - und zwar in beide
Richtungen: Einkauf und Vertrieb, mit den Schnittstellen zu den
Back-Office-Anwendungen - zu nutzen in der Lage ist.
- Was kann im Unternehmen selbst gemacht, was muß oder sollte nach
außen verlagert werden?
- Kaufen oder Mieten?
Die meisten KMU werden hier die Erwartungen zunächst eher niedrig
hängen und auch an dieser Stelle dem "Thing Big" das
"Act Small" folgen.
© lb medien 2001
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