Website-Marketing

Wo sind die Nutzer? Und was tun sie da?
Auch wenn es richtig ist, dass im Internet nicht Sie die
Kunden, sondern die Kunden Sie finden müssen, ist eine wichtige
Voraussetzung für alles Online-Marketing natürlich das Wissen um
die Zielgruppen, ihre Bedürfnisse und Befindlichkeiten und – alles
andere wird ja auch vom Offline-Marketing bereits „abgedeckt“ – ihre
Nutzer-Gewohnheiten im Internet.
Sechs Wege
Es gibt im wesentlichen sechs Möglichkeiten, das herauszufinden:
1. Das Ausschöpfen der interaktiven und Dialog-Potenz des
Online-Mediums durch
- den leicht gemachten und immer wieder provozierten Response auf Experimente mit verschiedenen Angeboten und
Angebotsformen
- den Kunden befragen, entweder direkt („Gefällt Ihnen ...? Können
Sie sich vorstellen dass...“, „Ihre Meinung ist uns wichtig...“)
oder indirekt durch die Optionen, die der Besucher der Web-Site
präsentiert bekommt, der Kern des Permission Marketings (mehr
dazu -->hier und -->hier).
2. Direkter: Das Einwerben von freiwillig gelieferten User-Profilen
(mit oder ohne Belohnung) mit der Möglichkeit für den User, sich eine
eigene Eingangsseite ("MySite") in die E-commerce-Site
zusammenzustellen und/oder bei jedem Besuch eine entsprechende
"Vorschlags-Seite" (Hallo Hans-Dieter, Sie als Liebhaber
von Grünfinken sind sicher interessiert...") - präsentiert zu
bekommen.
3. Das „User-Tracking“,
- das Verfolgen des Nutzers beim Gang durch die eigene Web-Site, sowie
das
- „woher?“ kommt der Besucher und „wohin?“ geht er,
- die Beobachtung seiner Handlungen, (worauf reagiert er wie? was
klickt er an? Welcher Impuls führt ihn zum Kaufakt? etc.),
- die Registrierung seiner Käufe und
- die Sammlung und Strukturierung aller so gesammelten Daten in Nutzer-Profilen,
die dann für individuelle Angeboten an den Kunden genutzt werden
können
4. Die permanente Auswertung und Optimierung der eigenen Kampagnen - learning
by doing bzw. hier eher learning while doing, (-->mehr)
5. Systematische Marktforschung von
- der Erhebung und Auswertung eigener Daten (E-mail Direktbefragung,
User Foren, Kurz-Umfragen, etc; gute Einführungen und FAQ bei Modalis), über
- die Beteiligung an „Omnibus“-Umfragen bis zum
- Kauf von Markt-(Media-) Studien der großen
Online-Marktforschungsinstitute (s. Sprungbrett)
6. Die Reichweiten- und Markt-Media-Studien für die Print-Medien
haben inzwischen fast ausnahmslos auch Online-Daten erhoben. (MA,
VA, AWA, ACTA,
LAE, TdW, Markenprofile,
Fame,
Communication Networks, aber auch spezielle Leser-Analysen wie die La-med
etc.)
Studien
Tatsächlich ist das Internet das vermutlich am intensivsten „durchforschte“
Medium überhaupt. Die praktisch täglich erscheinenden Studienergebnisse
(s. weiterführende Links) legen den Schluss nahe, dass der „gläserne
Surfer“ zum Greifen nahe sei. Dem ist aber nicht so.
Es kommt nicht selten vor, dass sich zwei Studien, die praktisch
gleichzeitig und mit dem gleichen Erkenntnisziel erscheinen, diametral
widersprechen. In der Regel jedenfalls weichen die Ergebnisse so weit
voneinander ab, dass bestenfalls Trendaussagen möglich sind. Das
hat nicht nur mit Methodenfragen (repräsentative Stichproben vs.
Panel-Studien vs. Online-Befragungen etc.) zu tun, die ja auch in der
Medienforschung „offline“ heftigst umstritten sind. Vielmehr ist das
Medium selbst (noch) zu „fluide“ für den Zugriff der
Marktforscher.
Wer das Internet, wie und zu welchem Zweck nutzt, wie beeinflusst wird
und warum etwas nachfragt oder kauft: Demographien, Typologien,
Psychogramme, für die Entscheidungen über Mittel und Instrumente der
Online-Werbung für die Unternehmens-Site können sie nur erste
Anhaltspunkte bieten.
Aufspüren - Zielen - Schiessen - oder doch eher umgekehrt
Die zum „Königsweg“ des Online-Marketing hochgelobten Nutzer –Befragungs-,
Nutzer-Beteiligungs- und Nutzer-Verfolgungs-Methoden haben dagegen den
nicht unwesentlichen Nachteil, dass der so vermessene Nutzer ja bereits
mindestens einmal meine Web-Site besucht haben muss.
Das Angebot der großen Online-Media-Agenturen von
zielgruppenspezifischen Selektionen beruht auf User-Tracking-
Technologien, die die Besucher der von ihnen vertretenen Web-Sites nach
ihren surf- und Einkaufsgewohnheiten differenzieren können (Dart von
Doubleclick,
oder die Technologie von Engage,
sind zwei solcher Beispiele).
Die Frage ist aber immer: Wieweit lassen sich die so gesammelten
Erkenntnisse für die gezielte Ansprache (Targeting) ausgewählter
Nutzer-Gruppen oder gar einzelner Nutzer wirklich einsetzen?
Neben der Frage, ob die Algorithmen hinter der Bewertung von
User-Verhalten denn auch meine, des Werbenden, Absichten richtig
interpretieren und ich nicht weite Teile meiner Zielgruppe möglicherweise
durch solches Targeting auslasse, steht die Dauerfrage nach der
Zulässigkeit solcher Erhebungen. Beim Forschen nach dem "gläsernen
User" sind gerade Agenturen wie Doubleclick in jüngster Zeit
immer wieder ins Fadenkreuz der Datenschützer geraten (mehr
dazu -->hier).
Die "Kleinen" sind ausgeschlossen
Viel wichtiger aber ist wohl die Tatsache, dass diese Diskussion insgesamt
an der Realität von 99 Prozent aller Web-Sites vorbeigeht - mangels
Masse. Die Online-Media-Agenturen, die über diese Technologien verfügen,
fangen bei Web-Sites unter 100.000 Visits oder 1 Mio. Page Impressions das
Denken garnicht erst an - und auch da erst nur sehr verhalten.
Bei Sites mit mehrstelligen Millionen-Budgets mag der Einsatz solcher
Methoden sinnvoll sein, bei kleineren Sites fehlt in der Regel sogar die
Kapazität, die solcherart gesammelten Daten überhaupt zu ordnen, zu
sichten und zu interpretieren, geschweige denn, das eigene Verhalten
ständig diesen Erkenntnissen anzupassen.
Eigene Untersuchungen
Vom eigenen Unternehmen bei den renommierten Marktforschungsinstituten in
Auftrag gegebene "repräsentative" Markt-User-Untersuchungen
leiden - verständlicherweise - unter den gleichen Schwierigkeiten
wie die allgemeinen Studien.
Die teuren Daten über den in den relevanten Segmenten und Märkten
ohnehin nur schwer fassbaren User sind oft von der Entwicklung im Netz
überholt, kaum dass sie erschienen sind.
Die Online-Umfrage auf der eigenen Site dagegen kann, ähnlich
wie die Leserbefragung per eingeheftetem Fragebogen bei der
Fachzeitschrift, bestenfalls Impressionen vermitteln, Einsichten kaum.
Die Website als Marktforschung: Logfile-Analyse
Die beste Marktforschung im Netz ist der Betrieb der Web-Site selbst - und
all die Erkenntnisse, die aus den Logfiles und im freundlichen Umgang
(Zwiegespräch?) mit dem Nutzer täglich neu gewonnen werden können.
Insoweit ist Online-Markforschung im wesentlichen:
Machen und "Zuhören"!
Zur Logfile-Analyse s. auch das Kapitel zu -->Marketing-Controlling
Eine Prise Realismus
Der Auf- und Ausbau von Nutzer-Profilen fängt also an mit den üblichen
Zielgruppen-Festlegungen, temperiert durch empirisch unzureichend
gestützte Vermutungen über deren Online-Verhalten im allgemeinen, um
sich dann über die mehr oder minder systematisch beobachteten Reaktionen
der grob im Cyberspace georteten Potentiale auf die passiven (z.B.
Suchmaschinen-Anmeldungen) oder aktiven (z.B. Banner-Werbung)
Aufforderungen zum Besuch der Web-Site bis zu den Höhen des One-to-One
Marketing, Mouse an Mouse mit dem Besucher, aufzuschwingen.
Leider – und auch hier unterscheidet sich das Dilemma online nur
graduell von der Offline-Variante – bedeutet jede Stufe auf dieser
Leiter hin zur persönlichen Kunden-Betreuung einen so erheblichen Aufwand
an Technologie, Know-How und Arbeitskapazität, dass die
Unternehmensrealität heute (und vermutlich auch künftig) sich gegenüber
dem verbalen Ansturm der Online-Marketing Gurus und der Seminar-Touristik
als äußerst widerständig erweist.
Es ist also ratsam, sich zunächst einmal auf die ganz einfachen
Voraussetzungen für die Ansprache der flüchtigen Netz-Zielgruppen und
die deren deutliche sichtbaren Spuren (Logfiles) auf der Web-Site zu
besinnen. Es ist verblüffend zu sehen, dass auch manche Big Players im
Cyber-Spiel, nicht zuletzt die verbal so starken Agenturen, diese
Bodenhaftung oft genug vermissen lassen – weil sie es nicht nötig
haben?
© lb medien 2001
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