Website-Marketing

Den Kunden liebhaben - CRM
Im Wechselspiel der Buzz-Word-Moden hat derzeit der Begriff Customer
Relations Management (CRM) Hochkonjunktur. Nicht nur zitiert ihn
jeder, der als Insider des E-marketing und E-commerce Hypes gelten
möchte, sondern wie immer bei neuen Trends im Internet (etwa dem WebCasting
seligen Angedenkens) erscheinen in immer kürzeren Abständen immer
kühnere Prognosen von renommierten Instituten (die sich auch damals schon
irrten) über das erzielbare Geschäftsvolumen mit CRM-Technologien
(IDC prognostizierte im September 2000 ein Volumen von 125 Mrd. US
Dollar in 2004).
Anders aber, als bei reinen Technologie-Entwicklungen geht es bei CRM
um etwas sehr Alltägliches und im Grunde Selbstverständliches, das
zunächst einmal mehr mit Verständnis und Höflichkeit und - ja auch -
Common Sense zu tun hat als mit den Turbo-Formeln der Agentur- und
Software-Szene:
Kundenbetreuung!
Hier: Technologie-gestützte Kundenbetreuung online.
Ausgehend von der Beobachtung, dass
- für eine Web-Site als Profit-Center nicht der Besucher an sich, ja
nicht einmal nur der Käufer, sondern die Gesamtausgaben eines Kunden
über die Zeit (Customer Lifetime Value) erfolgskritisch sind
und dass
- die Kosten für das "Einfangen" eines Kunden (vom
Erstkontakt bis zum Kaufakt) auch im Internet tendentiell steigen
(laut shop.org/Boston Consulting Group derzeit bei
Online-Transaktions- Sites im Durchschnitt - was immer das heisst -
ca. 60-300 US Dollar, im Online Einzelhandel ~82 Dollar, im Gegensatz
zu 31 Dollar offline)
steigt natürlich die Bedeutung der Wiederholungskäufer und damit der
Faktor Kundenbindung.
Die Rechnung ist einfach: Bei Akquisitionskosten pro Online-Käufer
von beispielsweise 100,- DM und einem budgetierten Vertriebskostenanteil
an den Erlösen von, sagen wir, 20 Prozent, lohnt sich Angebot und Verkauf
z.B. von Büchern und Zeitschriften-Abos per Web-Site nur dann, wenn der
erwartete Umsatz pro Kunde über die - sozusagen - "durchschnittliche
Kunden-Lebenserwartung" hin auf deutlich über 500,- DM
beläuft.
| Media
CPM |
$125 |
-- |
| Deliver
CPM |
-- |
$15 |
| Clickthrough
rate |
5% |
8% |
| Conversion |
2% |
3% |
| Cost/conversion |
$150 |
$6.25 |
Quelle:
Oct. 2001 Jupiter Media Metrix Inc.
Gepaart mit der alten Beobachtung, dass das Halten eines Kunden um ein
Vielfaches billiger ist als die Neukundenakquisition (jeder
Vertriebsleiter eines Zeitschriftenverlags rezitiert dieses Dogma im
Schlaf - aber handelt sehr oft nicht danach), führt diese einfache
Rechnung zu der ebenso einfachen Schlussfolgerung, dass in Kundenbindung
investiertes Geld in der Regel gut angelegt ist.
High Tech - High Touch
Das Besondere an der Verwandlung des Aschenputtels
"Kundenbetreuung" oder "Kundenpflege" zur schönen
Cyber-Prinzessin "CRM" liegt nun in der Tat bei der
tatsächlichen und gelegentlich nur behaupteten Chance,
- alle oder viele der Prozesse im Austausch mit dem Kunden
automatisieren bzw durch elektronische Hilfen erleichtern,
integrieren und damit beschleunigen zu können (aber:
"Datenbanken und Software können nicht lächeln!"), gleichzeitig aber
- dem Kunden interaktive, "live"-Dienste und Hilfen anbieten
zu können,
ohne dass sich diese beiden Trends widersprechen (schön
zusammengefasst in dem Slogan: "high tech, high touch"! -
mit Hilfe ausgefeilten Technologien zu höchst persönlichen Kontakten auf
breitest möglicher Front. Oder: "Software doesn't build
relationships. People do.")
Dieser Prozess beginnt - ist der Kunde erst einmal per Web-Promotion
auf die Web-Site gelockt worden - mit Überlegungen, wie er
- auf der Site gehalten (passend: der englische Begriff: stickiness),
- durch die Site gezielt, aber immer mit allen Optionen offen und
jederzeit mit Hilfe und Rat versehen, zum Kauf geführt,
- mit weiteren, möglichst auf seine Interessen zugeschnittenen
Angeboten konfrontiert (Cross Selling) und
- zum Wiederkommen bewegt
werden kann.
Nutzer-Profile und Data-Base-Management
Um hier nicht auf Spekulationen über Kunden-Präferenzen angewiesen zu
sein, bedarf es der möglichst lückenlosen Beschreibung des Kunden,
der
- Erhebung aller erreichbaren Kundendaten und
- ihrer Zusammenstellung zu einem Kunden-Profil,
- seiner Vorlieben und Kaufgewohnheiten,
- seiner Bewegungen innerhalb und
- beim Verlassen der Site (Ausstieg aus welcher Seite? wohin im Netz?
Chancen für "Ausstiegs-Barrieren"?),
gespeichert in einer komplexen Kunden-Datenbank, aus der dann das
Online-Marketing die Erkenntnisse für die individuelle ("one-to-one")
Ansprache dieser Person mit individuell gestalteten Informationen,
Services und Angeboten bezieht.
Der "Live"-Kontakt mit dem Kunden
Die technologische Entwicklung ist inzwischen soweit, dass der Kunde
auch während seines Besuchs nicht nur beobachtet sondern direkt
kontaktiert, an die Hand genommen, beraten und durch die Site (zum
Warenkorb!?) geführt werden kann (Einsatz von Peer-to-Peer-Technologien
wie z.B. Tterra oder in
neue Entwicklungen, die alle Umwege vermeiden -->
mehr dazu)
Aber auch hier: Zwischen dem, was heute schon technisch möglich wäre
und dem was ein KMU tatsächlich im Rahmen einer zumindest mittelfristig
auf Rentabilität angelegten Online-Strategie ein- und umsetzen kann und
will, klaffen Welten. Und schließlich, um ein Bibelzitat zu
paraphrasieren:
Was hülfe es dem Marketer, wenn er alle Kundendaten gewönne und
scheiterte dann an deren Nutzung!
Investitionen in den illoyalen Surfer?
Ein weiteres Argument, den CRM-Hype nicht zu weit zu treiben ist
die besondere "Charaktereigenschaft" des typischen Netizens: Er
ist immer schon mit einem Bein woanders, seine (Marken-)Loyalität ist
schwach, es sei denn er bringt sie schon aus der Offline-Welt mit.
Da stellt sich die Frage: Wieviel Investition lohnt sich in das
Haschen nach einem solchen fluiden Gebilde wie dem treuen Cyber-Kunden?
Aber: lohnt sich ohne diese Investitionen der Online-Auftritt
überhaupt?!!
CRM und E-mail
Bis auf wenige Ausnahmen wird sich die Nutzung der aus
- Logfiles,
- Cookies,
- Session IDs und anderen Instrumenten
bzw. aus
- Umfragen und
- Kunden-Registrierung
- Customizing (der Kunde lässt sich Angebote aud den selbst
definierten Typ oder die beschriebenen Bedürfnisse
"zurechtschneidern" oder setzt sie selbst aus
Versatzstücken zusammen - und gibt so detaillierte Daten über sich
selbst preis - naheliegendes Muster aus der Bekleidungsbranche)
gewonnen Daten für eine echte Individualisierung der Kundenansprache
auf das schlanke und kostenarme E-mail-Marketing
beschränken.
Und selbst hier sind viele Unternehmen bereits hoffnungslos
überfordert, wenn es darum geht, in angemessener Zeit auf E-mail-Anfragen
zu reagieren oder den Response auf E-mail-Aktionen so zügig zu
bearbeiten, dass übernhaupt noch ein werbender Effekt erhalten bleibt.
Was "angemessen" ist, bestimmt der immer anspruchsvoller
werdende Kunde, der laut einer neuen Umfrage von Jupiter/Media Metrix mehrheitlich
eine Reaktion innerhalb von 6 Stunden erwartet.
Dieweil wird auch das One-to-One-Instrument Nr. 1, E-mail, zunehmend
mit interaktiven Elementen aufgerüstet, die den direkten Dialog ermöglichen
- z. B. mit Hilfe eins "Answer-Bots", der die E-mail Aussendung
begleitet und direkte Antworten auf die Fragen der E-mail-Empfänger zu
der übermittelten Information, zu einem beworbenen Produkt etc. geben
kann. (Muster: "Botmail")
Datenschutz - Privacy
Zwischen den technologischen Möglichkeiten der Kundenbeobachtung (User
Tracking) und der online besonders einfachen Erhebung von Kundendaten
(User Profiling) einerseits und der Angst vor dem Missbrauch, bzw.
der Forderung nach strikter Kontrolle dieser Daten andererseits (auch das
natürlich kein spezifisches Online-Problem, aber dort besonders virulent)
besteht ein kaum lösbarerer Konflikt, der im Internet, in der breiten
Öffentlichkeit und zunehmend in der Rechtsprechung seit Jahren kontrovers
ausgetragen wird.
Datensicherheit und "Privacy" sind strategische
Knotenpunkte in der kommerziellen Entwicklung des Internet. Ein weites
Feld, das hier nicht behandelt werden kann. (s. Links zu Online-Recht)
Kundenbindung: Die "klebrige" Site - Stickiness
Im übrigen reduziert (oder erweitert) sich das Thema im wesentlichen auf
die Beschreibung - und Beachtung - der wichtigsten Faktoren für den
Erfolg einer Web-Site insgesamt. (--> dazu mehr unter Erfolgsfaktoren)
- Nutzwerte Inhalte (Content
is King) und tief gestaffelte Informationen (s. den Abschnitt
über Texte und Text-Rezeption im Internet-->hier),
- verschiedene Angebote für die "Beteiligung" des Users
(und sei es nur die Möglichkeit, seinen Frust interaktiv
abzuarbeiten) von der zügigen Mail-Bearbeitung bis zum Talk-Back-
und Call-Back-Button,
- einfach zu bedienende Navigation und "Usability"
(mehr dazu -->hier),
- die Befolgung des Cyber-Prinzips "erst geben, dann nehmen",
- ein aufgeräumter, übersichtlicher Shop mit wenigen, einleuchtenden
Schritten von der Registrierung bis zur Bezahlung in einer sicheren
Umgebung,
- ein glaubwürdiges Privacy-Statement,
- eine freundliche, unaufdringliche (s. Permission)
Post-Sales-Betreuung von der "Danke-Schön"-Seite als
anregende "Austrittsbarriere" über die ebenso anregende
Bestätigungs-E-mail bis zum - selbstverständlich nur mit
ausdrücklicher Erlaubnis verschickten - Newsletter,
das sind die Ingredienzien für die "Stickness"
(wörtlich: Klebrigkeit, die Fähigkeit der Seite, den Besucher
"festzuhalten") einer E-commerce-Site, die auch für kleine
Verlage und Unternehmen machbar sind.
Das erreichbare Minimum
Eine einfache Datenbank mit den wichtigsten Nutzer- und
Kundeninformationen und einer groben Selektionsmöglichkeit nach einigen
wenigen demographischen und Präferenzdaten (bei Umfragen, Registrierungen
bei Gewinnspielen oder anderen Online-Aktionen, Anmeldungen geschlossenen
Nutzerbereichen etc. freiwillig preisgegeben) - und jede Menge kreativer
Phantasie und Bereitschaft, sich auf einen Dialog mit dem Kunden
einzulassen - mehr an Instrumenten für ein erfolgreiches Customer
Relations Management sind nicht erforderlich.
Soviel aber schon!
Gute Marktübersichten zu Anbietern von CRM-Systemen:
http://www.acquisa.de/marktuebersichten
© lb medien 2001
http://www.e-publishing.de

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