Website-Marketing

Satelliten und Abschussrampen – Verteilte Präsenz im Internet
Wenn die Portal-Vision des kleinen und mittleren Fachverlegers oder
KMU vom Erfolg seiner „strategischen Allianzen“, im Endeffekt also von
seinen (diplomatischen) Fähigkeiten lebt, viele Fremde und besonders die
Konkurrenz davon zu überzeugen, an einer Stelle, dem
Nischen-Portal, zu publizieren, zu kommunizieren, zu verkaufen und
einzukaufen, gibt es eine Gegenstrategie, die nun just darauf zielt, dass
der Fachverlag/das Unternehmen an möglichst vielen Stellen im
Internet präsent ist.
Zentral oder dezentral? Portal/Marktplatz oder "fraktale"
Präsenz?
Wir werden gleich erkennen, dass dies nur scheinbar ein Gegensatz ist.
Tatsächlich sind beide Strategien Ausfluss eines einzigen, zentralen
Phänomens, das erst jetzt und erst ganz allmählich in den Köpfen der
Online-Publisher, Verlage und Nicht-Verlage, dämmert, obwohl es jedermann
eigentlich ständig präsent ist – der Netzknoten und damit die
prinzipielle Beliebigkeit des Informations-Orts.
Etwas weniger philosophisch: Als Verleger kann ich mit meinem
hart erarbeiteten, redaktionsgeprüften und vertrauenswürdigen Content
sowohl zentrale Informations- und Wissens-Marktplätze organisieren als
auch gleichzeitig und mit dem gleichen Content überall im Netz verteilt,
in „affine“ Umfelder eingebettet, meine Nutzer abholen – und dabei
Geld verdienen.
Als Anbieter von Dienstleistungen oder Produkten gilt - wenn auch
eingeschränkter - das gleiche. Ich kann
- meine Produkte auf der eigenen Web-Site, im eigenen Informations-,
Beratungs-, Katalog- und Shop-Zentrum anbieten und versuchen, die
Zielgruppen dorthinzulocken,
- einen Marktplatz, ein "Vortal" gründen (helfen) bzw. mich
einem existierenden Branchen-Portal anschliessen, in der Vermutung,
dass hier eher die Chance besteht, alle Interessenten und potentiellen
Käufer zu erreichen oder
- die Informationen, Dienstleistungen und Produkte an vielen Stellen
im Internet präsentieren - wo immer sich national oder international
die Zielgruppen im Netz aufhalten.
Im Extremfall brauchte es dann garkeine eigene Web-Site im Internet
mehr zu geben - höchsten noch, um die Verlags/Unternehmens-Fahne im
Cyber-Wind flattern zu sehen, heisst: Die Verlags/Unternehmens-Marke im
Internet hochzuhalten.
Die Satelliten-Strategie am Verlags-Beispiel
Solche Satelliten-Strategien sind nun keineswegs neu. Der gigantischste
Ausfluss dieser Strategie sind die 250.000 Amazon-Affiliates/Partner.
Nicht zufällig handelt es sich hier um eine Marketing- und nicht um eine
Content-Strategie, aber das Prinzip ist genau das gleiche, wenn es auf das
reine Online-Publishing angewendet wird:
So wie Amazon seinen Partnern Teile seines Katalogs und seines
Transaktions-Know-Hows zu Verfügung stellt (im Prinzip: einen
Buchladen einrichtet), so kann auch der Verleger seinen Content an
tausende von Web-Site-Besitzern weiterreichen – gegen Entgelt oder gegen
Traffic, je nachdem ob er damit ein Marketing- oder ein Profit-Ziel
verfolgt.
Content-Syndication als Erlösquelle und Micro-Sites als Werbemittel
– beide sind kleine Teilaspekte einer solchen Satelliten-Strategie.
Und noch ein ganz anderes und doch verwandtes Bespiel, sozusagen aus
der „Traumzeit“ des Internet: Das ebenfalls schon erwähnte Open
Directory Projekt (http://dmoz.org ). Hier wurden „Link-Besprechungen“
(die Online-Variante der Buchbesprechungen) von tausenden von
(freiwilligen) Quellen eingesammelt und an einer Stelle „organisiert“
um das Ergebnis dann wieder als frei verfügbaren Content auf hunderte von
Web-Sites zu verteilen (dass inzwischen fast alle großen Suchmaschinen
den OPD Katalog für ihre Zwecke ausbeuten und kommerzialisieren, war so
von den Web-Traumtänzern jener Jahre nicht vorgesehen, aber das
Grundprinzip wird dadurch ja nicht wirklich berührt).
Natürlich hat – wie immer im Internet – das Ganze auch eine
technologische Seite. Verteiltes Publizieren setzt nämlich einen „Mindeststandard“,
eine gemeinsame Text-und-Bild-Beschreibungs-Sprache aller Beteiligten
voraus, und dann möglichst noch mit Gültigkeit für alle Medien und
Publikationsformen. Der Kampf um diesen Standard wogt nun schon so
lange, dass man geneigt ist, das Thema den Techies im Unterholz des
Internet (und der Druckvorstufe) zu überlassen. Falsch! Mit XML
oder XHTML steht jetzt eine „Plattform“ zur Verfügung, auf der
sich im Prinzip alle Content-Produzenten und -Verteiler (im allerweitesten
Sinne, auch eine Rechnung hat ja Content) treffen können.
Verteiltes Publizieren im doppelten Sinne – Portal saugt Content aus
vielen Online-Quellen; Online-Quellen spucken Content in alle
Netzrichtungen aus – setzt (wieder) das alte, zentrale Knoten-Prinzip
der Inter-Netz in sein Recht. Diesmal nicht Traum- sondern
Profit-getrieben – und es wird Zeit, dass sich die Verleger davon ihren
angemessenen Teil abschneiden
Die Funktion der Verlags-/Unternehmens-Web-Site
Die Web-Site des Unternehmens hat bei einer solchen Satelliten-Strategie
eine veränderte Aufgabe neben der eher repäsentativen Funktion: Von hier
aus starten die Aktionen ("Mission" oder "Fischzug",
je nachdem) ins Netz und hier landen sie wieder zur Weiterverarbeitung
(Transaktion). Die Web-Site dient als Referenz-Basis für Informationen
zum Unternehmen und seinen Produkten, als Datenbasis und Archiv.
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