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Crossmedia-Publishing
Der alte Verleger-Traum vom Publizieren aus einem medien- und
layoutneutralen Wissens-Pool in eine unbegrenzte Zahl von Medien und
Publikationsformen, die ökonomische Perspektive von Zweit-, Dritt-,
Vielfach-Verwertungen – das beginnt sich allmählich, und viel später
als die Propheten eines neuen Wissens-Zeitalters wahrhaben wollten, als
technische Möglichkeit auch für kleinere Fachverlage am Horizont
abzuzeichnen.
Auch eine Revolution in Trippelschritten kommt ans Ziel.
Erste Schritte
Den ersten Schritt, ihre Inhalte zentral auf den Servern großer
Datenbankanbieter recherchierbar und abrufbar (gegen Gebühr) zur
Verfügung zu stellen, haben vor allem die Wissenschaftsverlage schon vor
langer Zeit getan – oft in einem mühsamen und teuren nachträglichen
Daten-Konversionsprozess. Von einer Medien-Integration war das noch sehr
weit entfernt.
Danach kam die Entwicklung einigermaßen ins Stocken – teils weil
die Vorteile eines Publizierens von Inhalten auf unterschiedlichen
Medien-Plattformen nicht klar – oder betriebswirtschaftlich
gesehen auch nicht vorhanden – waren, teils weil sich in der
Druckvorstufe Technologien durchsetzten (Beispiel Quark Xpress), die eine
einfache Wiederverwendung der redaktionell bearbeiteten Inhalte nicht
bereitstellten.
Das ändert sich seit einiger Zeit mit großer Geschwindigkeit.
Neue Standards
In immer kürzeren Abständen kommen Software-Alternativen auf den Markt,
immer deutlicher zeichnen sich Standards ab, vor allem die „Universalsprache“
XML mit ihren für bestimmte Anwendungsfelder geschaffenen Derivaten, die
eine praktische Umsetzung der Vision als alltägliche Verleger-Praxis
möglich und wahrscheinlich machen.
Das Ende aller Medienbrüche ist in Sicht?!
Wenn aber die Medien-Schiene Internet ohne erhebliche technische
Mehrkosten mit dem im Verlag verfügbaren Content versorgt werden
kann – und umgekehrt - sind die Verlage wieder was sie immer
waren: King of Content, den reinen Online-Verlegern um Längen voraus.
Aber Halt!
Bevor neue Illusionen die alten ersetzen sei es noch einmal
unterstrichen: Offline-Content in der 1-zu-1 Übersetzung in Online-Seiten
ist nur in Ausnahmefällen mehr als wertlos.
Anpassung ans Medium
Cross-Media-Publishing bedeutet zwingend, dass auch und gerade die
Besonderheiten jedes Mediums zum Zuge kommen. Online ist das der
Hyperlink, die mühelose Verknüpfung von allem mit jedem, die Verfügung
über Such- und Navigationshilfen und die individuelle Gestaltung des „Lese“-Vorgangs.
Außerdem liest der Internet-Nutzer – wenn überhaupt – anders!
Studien haben gezeigt, dass der gleiche Text und eine gleich aufgemachte
Seite on- und offline völlig verschieden wahrgenommen werden. Online
lesen ist mühsamer und erheblich langsamer.
Die Anforderungen an die Online-Redaktion und/oder an den Online-Autor
sind daher von vornherein andere als die für die Text- und
Bildbearbeitung offline – von den technischen Voraussetzungen einmal
ganz abgesehen.
Das erfordert aber notwendig, dass alle für das „Cross-Publishing“
vorgesehenen Inhalte von Beginn an datentechnisch entsprechend aufbereitet
und von einer Redaktion bearbeitet werden, die den Umgang mit den
elektronischen Medien beherrscht und deren Stärken schon in das
Quell-Dokument einbauen kann.
Cross-Media-Publishing ist also in keinem Fall bloße Zweitverwertung
sondern eine permanente Produktion von „medientypischen Mehrwerten“
aus einer Art strukturierter Daten-Ursuppe.
© lb medien 2001
http://www.e-publishing.de

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