Website-Marketing

Co-Publishing und Co-Selling
Die praktisch beliebige Kombination elektronisch gespeicherter und von
einer einheitlichen Meta-Sprache strukturierter Inhalte birgt aber noch
ganz andere Chancen, über die crossmediale Mehrfachverwertung
hinaus.
One-to-Few
Wo offline schon aus Marketing- und Kostengründen (Preis und
Auflagenhöhe) die Belieferung kleiner und kleinster Zielgruppen (im
Extrem: eines Individuums) unmöglich war, der Verleger daher
unterschiedliche Zielgruppen und innerhalb der Zielgruppen
unterschiedliche Interessen unter ein Titel-Dach zwängen musste, bietet
sich jetzt die Chance, die kleinen Wissens-Parzellen, aus denen sich
bisher Bücher und Zeitschriften zusammensetzten, in immer neuen
Kombinationen zu immer neuen "Titeln" zu kombinieren.
Wirklich aussichtsreich wird das aber nur - zumindest für den kleinen
und mittleren Verlag - wenn er sich dabei mit anderen Verlagen und vor
allem natürlich - horribile dictu!! - mit der unmittelbaren Konkurrenz
zusammentut.
Zweck-Allianzen: Ein Beispiel
Um diese auf Online begrenzte Zweckallianz mehrerer Verlage an einem
Beispiel zu verdeutlichen:
Drei Verlage geben je eine unterschiedlich positionierte aber in der
Breite der Zielgruppen konkurrierende Fach-Zeitschrift für Vogelfreunde
und Händler heraus.
Jede der Zeitschriften ist bemüht, den unterschiedlichen Interessen
etwa der Eulen- und der Liebhaber tibetanischer Berghühner plus deren
Händler und Importeure durch ein möglichst breites inhaltliches Angebot
gerecht zu werden.
Jeder Abonnent bekommt in jeder Ausgabe ein kleines
Informations-Häppchen, das ihn bei Laune (bzw. beim Abo) hält.
Natürlich reicht das der Mehrzahl der jeweiligen Teilzielgruppen nicht
aus. Der verzweifelte Eulen-Liebhaber sieht sich gezwungen, alle drei
Zeitschriften zu abonnieren, um zumindest eine Basis-Abdeckung seiner
Informationsbedürfnisse zu erreichen. Der Mehrzahl der
Vogelliebhaber aber ist das zu teuer, sie abonniert einfach garkeine der
Zeitschriften. Die drei Verleger teilen sich den Rest der Genügsamen.
Virtuelle Zeitschriften
In der heilen Cross-Media-Welt nun entstehen im elektronischen
Schulterschluss der drei Verleger aus den Versatzstücken der drei
konkurrierenden Zeitschriften eine im Prinzip beliebige Anzahl neuer, auf
ganz spezifische Interessen zielender virtueller Zeitschriften: "Der
Eulenfreund", "Mein tibetanisches Berghuhn",
"Prolegomena zu einer Theorie des Käfig-Managements" etc., die
online abonniert und bezogen werden können.
Die zusätzlichen Kosten für diese Cyber-Zeitschriften sind gering,
bestehen aus der Zweit- und Drittverwertung vorhandener, bereits
beschriebener und strukturierter Daten.
Versuche dieser Art gibt es bereits in einigen Wissenschaftsbereichen.
Hier ist inzwischen auch das Prinzip das Cross-Linking, sozusagen die
Schmalspur-Variante der Co-Publishing, dabei, verbreitete Wirklichkeit zu
werden. (s. z.B. die Initiative -->crossref.org)
Bücher in Scheiben
Bei den Büchern zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab: Bücher
in Scheiben. Verkürzt gesagt: Die Buchinhalte werden in semantische
Blöcke zerlegt und je nach Nutzer-Bedarf wieder zusammengefügt. Das ist
nicht nur mit einzelnen Büchern sondern im Prinzip auch quer durch eine
ganze Bibliothek von Büchern unterschiedlicher (sic!) Verlage möglich.
(Informationen zu den von der EU geförderten Entwicklungsarbeiten -->hier)
Keine Illusion also, aber sicher auch kein Patentrezept. Die
(psychischen und mentalen) Kosten der Verlagskooperation und -koordination
könnten sehr wohl die ökonomischen und Marketing-Vorteile eines solchen
Co-Publishing wieder auffressen, solange diese Services nicht breit
getragen und zentral organisiert werden können.
Kooperativer Abo-Verkauf
Die Diskussion um Content-Erlöse ist voll entbrannt. Zeitungen,
Zeitschriften und Online-Publisher versuchen trotz überwiegend
schmerzhaften Erfahrungen in der Vergangenheit, ihre Inhalte - zumindest
die "Premium"- und "Mehrwert"-Inhalte - als "Pay
per Document" oder im Online-Abo zu verkaufen. Da die Situation beim
Kassieren von Pfennig und einstelligen Euro-Beträgen (Mico-Payment) nach
wie vor eher verworren ist, bleibt das Abo als gangbare Alternative.
Hier gilt nun wieder, was oben über das Co-Publishing gesagt wird:
Bündelung der Anstrengungen und Fokussierung auf die thematischen Nischen
in Kooperation von ansonsten konkurrierenden (Fach-)Verlagen.
Der User, der nicht bereit ist, ein Online-Abo bei einem Verlag
oder Online-Publisher abzuschliessen, weil ihm das Angebot für sein
Spezialgebiet zu "dünn" ist, wäre durchaus bereit, ein Abo
für den Zugang zu themengleichen "Channels" auf verschiedenen
Verlagsservern abzuschließen, wenn er das mit einer einzigen
Registrierung machen könnte.
Wie das geschehen könnte, ist nichts Neues. Vorgemacht haben es, nun
allerdings mit ganz anderem Hintergrund, die Pharma-Unternehmen, die sich
dem "DocCheck"-System
angeschlossen haben: Der Arzt braucht für den Zugang zu allen Fach-Sites
nur ein einziges Passwort und eine Registrierung.
Übertragen hieße das: Verlage portionieren Ihren Content in eng
gefasste thematische "Channels" und legen ein gemeinsames
Registrier-, Abo- und Bezahlsystem auf, das dem Kunden ermöglicht, mit
einem einzigen Verwaltungsvorgang die themengleichen "Channels"
auf einigen/vielen Verlagssites zu nutzen.
© lb medien 2001
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