Website-Marketing

Consultancy und Customizing – Der Dienst am User
Der Nutzwert hat aber nicht nur eine Inhaltsseite sondern –
zunehmend zentraler im Internet – die Service-Seite.
Schon hat sich neben E-Commerce („hohes C“ Nr. 3) der
Begriff e-Service oder i-Service durchgesetzt.
Gezielte Auskünfte zu den erwarteten (Fach-)Fragen und Interessen der
Zielgruppen, interaktive Hilfestellungen bei Problemen,
Recherche-Möglichkeiten in komplexen Datenbanken – das vierte „hohe
C“ heisst: Consultancy.
Datenbanken
Überhaupt gerät erwartungsgemäß und verdientermaßen die Datenbank in
den Mittelpunkt aller Online-Strategien.
Die Frage ist heikel und wird je nach Situation, Konkurrenzumfeld etc.
immer wieder anders beantwortete werden:
Machen wir, und wenn ja in welchem Umfang, unsere Adress- und
Wissens-Datenbanken für den direkten Zugriff durch den User im Internet
für die eigene Recherche verfügbar? Kann sich der Besucher hier die
wichtigsten Fragen selbst beantworten (und so Marketing und Außendienst
entlasten)? oder verschleudern wir nicht auf diese Weise unser wichtigstes
Kapital?
Oft erfordert der Dienst am Kunden auch die Einbindung von
Recherchemöglichkeiten auf fremden Datenbanken in die eigene
Web-Site.
Der Vogelfutter-Produzent tut gut daran, neben einer Datenbank, in der
den verschiedenen Vogelarten die wichtigsten Futter-Ingredienzien mit den
richtigen Mischverhältnissen für Sommer und Winterfutter zugeordnet
werden, auch eine Adressdatenbank mit geographischer Suche (plus
Routenplaner) aller Tier- und Futterhandlungen in der Bundesrepublik
beizustellen.
Solche datenbankbasierten Dienste müssen nicht unbedingt selbst
erstellt werden. Sie sind häufig im Internet in guter Qualität vorhanden
und können gegen Gebühr oder per Webnapping in die eigene Site
eingebunden werden.
Beispiele unter tausenden etwa das Verzeichnis lieferbarer Bücher
(VLB) oder die Adress- und Geo-Datenbanken von YellowMap.
Expertenforen und FAQs
Irgendwo zwischen Hotline und Content siedelt der "Expertenrat"
("Fragen Sie Dr..."), als eine Art kontinuierlich wachsender
Fach-Enzyklopädie.
Mit dem Expertenforum traut man sich ein Stück weiter in die
Interaktivität. Mit der entsprechenden Software als virtuelles
"Gespräch" zwischen Experten und Publikum angelegt, kann hier
der Dialog auch auf den Austausch der User untereinander erweitert werden.
Auch hier lässt sich das Archiv nach Stichworten durchsuchen.
Die wichtigsten Fragen und Antworten werden dann in einer eigenen
Seite noch einmal als Frequently Asked Questions (FAQ) aufgearbeitet. Der
User wird ermuntert, diese FAQ nach relevanten Antworten zu durchstöbern,
bevor er den Experten mit längst beantworteten Fragen
"belästigt".
Niemand sollte die Mühe unterschätzen, die eine solche Einrichtung
zu Beginn macht: Vor allem natürlich das Einwerben der Experten (selbst
die Experten im eigenen Haus müssen zum Jagen getragen werden) und das
"Anschieben" des Forums mit relevanten Fragen und Antworten
kosten extrem viel Zeit und Mühe. Einmal eingerichtet und ins Rollen
gekommen, ist diese Art der Serviceleistung dann aber relativ
pflegeleicht.
Für ein Unternehmen bietet sich hier, wie an so vielen Stellen, eine
Allianz mit dem führenden Fachverlag der Branche an - dort sind die
Experten in ausreichender Zahl nicht nur bekannt sondern auch im
ständigen persönlichen Kontakt. Der Fachredakteur kann sehr genau
abschätzen, welcher Experte für ein Online-Experiment infrage kommt.
Kunden machen Kunden-Service - User Foren, Mailing-Listen
Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen Web-Sites, die den direkten
(vorsichtig moderierten) Austausch der Besucher und Kunden untereinander
provozieren, organisieren und unterstützen:
-
Der Austausch von Erfahrungen, Tipps und Tricks ist - wenn er denn
funktioniert - eine sehr effiziente Form des
"Troubleshooting" und entlastet den eigenen Kundendienst.
Vertraut ist diese Form vor allem aus der Soft- und Hardware-Szene.
-
Rund um diesen interaktiven Meinungs- und Erfahrungsaustausch
bilden sich die viel beschworenen Communities mit all den bekannten
Kundenbindungs-Vorzügen.
Wie das dann im einzelnen technisch umzusetzen ist, ob ein
Online-Forum oder eine Mailing-Liste (oder gar ein Chat) optimal sind,
entscheidet sich je nach den spezifischen Eigenheiten des Publikums, das
hier aktiviert werden soll.
E-mail-Hotline, Call-Back-Button, Talk-Back-Funktion, Click-to-Talk
Noch einen Schritt näher an die Hotline und den Direct Response führen
Angebote auf der Web-Site, auf Fragen und Anregungen innerhalb kürzester
Zeit per E-mail, Fax oder Telefon zu antworten. Überhaupt ist die
Einbeziehung der vertrauten Medien Telefon und Fax eine wichtige Brücke
zu den Usern, die mit der Online-Kommunikation (noch) ihre Probleme haben
- und das ist vorerst die Mehrheit.
Die einfachste Form - gehört ohnehin zur Standardausrüstung jeder
Web-Site, fehlt aber dennoch häufig genug - ist das allfällige
Kontakt-Formular. Ob hier eine Sammel-Adresse angeboten oder bereits nach
Kontaktstellen- und -personen differenziert wird, ist eher eine Frage des
internen Workflow.
Der Call-Back-Button geht hier einen Schritt weiter: Der Anfrager kann
einen telefonischen Rückruf "ordern" und dabei Thema,
Gesprächspartner und vor allem Zeitpunkt festlegen.
Den User an die Hand nehmen - Escorted Browsing
Versuche mit "intelligenten" Robots, Answer-Bots, sind
ebenso populär wir fragwürdig, seit in der grauen Vorzeit des Internet
ein Wesen mit Namen "Eliza" die staunende Welt zum Gespräch
einlud. Diese Robots "antworten" auf ausformulierte
User-Fragen ausführlich und im Zusammenhang sind also eine Art
"virtueller Berater" oder Führer durch die Web-Site.
Die Illusion des "Live-Chat" mit einem Berater verfliegt
allerdings bald. Der Robot kann halt nur mit Fragen umgehen, allerdings
durchaus auch mit komplexen, unterschiedlich formulierten Sätzen, deren
Antworten ihm vorgegeben wurden. Am Ende dann doch nur ein intelligentes
und interaktives FAQ. (Ein Beispiel für diese Software: Kiwilogic.)
Click-to-Chat das Online-Call-Center mit "echten" Beratern
am anderen Ende der Leitung. Mit einem Klick auf den Call-Button wird der
ratsuchende User mit dem Berater (im Unternehmen oder - in der Regel - im
externen Call-Center) verbunden und holt sich die Infos im Live-Chat
(Beispiel: Bauer Verlag)
Click-to-Talk ist dann schon der Übergang zum "live"
Konkakt. Hier stellt der Site-Besucher den Kontakt online her und
lässt sich dann per Telefon beraten und durch das Angebot führen.
Live-Beratung aus dem Off, IP-Telefonie
Mit Hilfe von Technologien, die es z.B. dem Kult-Service ICQ möglicht
machen, User miteinander zu verbinden, die (zufällig) gerade online sind,
ist es auch möglich, die Besucher auf meiner Web-Site beim Durchstöbern
meiner Angebote zu beobachten und mich direkt einzuschalten, wenn ich den
Eindruck habe, dass Beratung nötig ist bzw. der Besucher diese Beratung
anfordert. (Noch etwas holprig aber funktionsfähig und ohne Plug-In auf
der Nutzerseite z.B. HumanClick
LiveHelper).
Die Internet-Telefonie bietet eine weitere Chance, dem Besucher noch
während der "Durchreise" auf der eigenen Site die Maus führen
zu helfen.
Beiden Entwicklungen stehen sicher heute noch auf dem Prüfstand,
Ergebnis ungewiss. Aber sowohl die IP-Telefonie als auch die sogenannten Peer-to-Peer (P2P)
Technologien werden sich weiterentwickeln und für den e-Service wichtige
Instrumente liefern.
Tausch- und Marktplätze für die Kunden - mit Alert-Service
Vom bescheidenen "Schwarzen Brett" (Bulletin Board) bis zum
ausgewachsenen Consumer-to-Consumer-Marktplatz reicht die Service-Palette.
Da es sich hier um einen Service, also eine Marketing- und
Kundenbindungs-Aktion handelt, sind beide, Angebot und Nachfrage
natürlich kostenlos.
Wenn dann noch ein persönlicher E-mail-Alert dazukommt (Besucher gibt
sein Suchprofil/Tauschwunsch etc. ein und wird per E-mail über alle
eingehenden Angebote informiert, die auf dieses Profil passen), dann ist
zwar die Service-Höchststufe erreicht, aber wohl auch die
Marketing-Budget-Höchstgrenze weit überschritten.
Und dann der Mensch
Interaktivität im Cyberspace hin, intelligente personalisierte Agenten
her - am Ende will auch der Online-Kunde von einem "richtigen"
Menschen angesprochen, bedient und vor allem verstanden werden. Auch Im
Internet endet "Consultancy" irgendwann beim
Mensch-zu-Mensch-Interface - sozusagen. Diese letzte Rückzugsmöglichkeit
auf das Humanum muss in jede eService-Strategie eingebaut sein - zumindest
noch für die nächsten 100 Jahre.
Visionen
Das hausinterne, internet-verknüpfte, direkt aus jeder Seite des Web-Site
ansteuerbare, aus den wohlorganisierten Wissens-Datenbanken schöpfende
und daher immer aktuell allwissende Call- und Customer-Care-Center mit
unbeirrt freundlichen, gleichermaßen kompetenten wie mitfühlenden
Mitarbeitern ist zweifellos das absolute Hochglanz-Format eines
vollkommenen eService.
Für KMUs und Verlage aber reicht es allemal, sich zunächst einmal
der Wichtigkeit dieses Erfolgsfaktors bewusst zu werden und sich dann
Stück für Stück durch den Katalog der Service-Möglichkeiten vom
"Need-to Have" zum "Nice-to-Have" durchzuarbeiten.
© lb medien 2001
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