Website-Marketing

Spam - Opt-Out - Opt-In - Double-Opt-In
E-mail ist das mit weitem Abstand billigste
Direkt-Marketing-Instrument. Nicht nur der Versand und das Material,
sondern sogar das Schreiben und Layouten einer E-mail-Aussendung (von den
HTML- und Rich-Media-Mails einmal abgesehen) erfordert einen deutlich
geringeren Aufwand - was kein Plädoyer für die allerdings weit
verbreitete Schlampigkeit von Mail-Aussendungen sein soll.
Dieser Vorteil hat Marketers aller Couleur (ins "Geniale"
gesteigert im Porno-Markt) dazu bewegt, undifferenzierte Werbe-Mails an
jede sich bietende Mail-Adresse zu schicken. Diese Massen-Mails verstopfen
die Mailboxen der Empfänger und die Kapazitäten der Internet Service
Provider und provozieren daher heftige Abwehr-Reaktionen.
SPAM
Das Phänomen wird Spam (eine Bezeichnung, kein Akronym, allerdings
manchmal als solches interpretiert, z.B. "Sending Personally
Annoying Mail") oder Unsolicited Commercial Email (UCE) genannte
und ist für eingefleischte Onliner das Reizthema Nr. 1. Spam-Filter,
Spam-Listen (den Robinson-Listen vergleichbar), Anti-Spam-Koalitionen (z.B.Cauce
spam.abuse.net) und
Versuche einer "internationalen Spam-Polizei" (spam-cop)
haben zwar schon manchen Service Provider gezwungen, Massen-Aussendungen
seiner Kunden einen Riegel vorzuschieben, bekommen aber das Phänomen
nicht in den Griff.
Dass die Aussendungen von Massenmails eher noch zunehmen und die
Tricks bei der Vermeidung von "Strafe" durch verärgerte
Empfänger immer raffinierter werden, zeigt, dass sich selbst in dieser
Form das Werben per E-mail lohnt.
Auf der anderen Seite führt die sprunghafte Zunahme sowohl der
"legitimen" als auch der Spam-Mails (laut Jupiter
allein im Jahr 2003 um ca. ein Drittel, wobei das Wachstum der
"legitimen" Mails sogar noch das der Spams übertrifft) zu
nervösen Überreaktionen bei Usern und Internet Service Providern, denen
inzwischen massenhaft auch "legitime" Mails zum Opfer fallen.
Für ein seriöses Unternehmen mit dauerhaften Informations- oder
E-Commerce-Interessen im Internet ist Spam aber in jedem Fall keine Thema. Nicht etwa,
weil der Ärger, den man sich einhandelt, beträchtlich sein kann, sondern
weil gut gemachtes E-mail-Marketing nicht auf den einen Besuch (Visit),
eine Anfrage (Lead ) oder einen Verkaufsabschluss
zielt, sondern immer primär der dauerhaften Kundenbindung dienen sollte.
Wenn die Akquisition eines Online-Kunden heute im Durchschnitt 300
US-Dollar (AdRelevance) kostet, läßt sich - je nach Branche -
leicht ausrechnen, wieviele Wiederholungs-Käufer und-Käufe notwendig
sind, um auch nur den Break-Even zu erreichen.
Auch die seriösen E-mail-Marketing-Agenturen versuchen von sich aus,
dem Spam zu wehren. Überquellende Mail-Boxen und genervt mit dem Delete-Button
spielende Mail-Empfänger zerstören natürlich auch die aufblühenden
Geschäfte der Mail-Agenturen. Eine Koalition der Marktführer in diesem
Bereich ( Council for Responsible Email der Association for
Interactive Media) hat kürzlich den Versuch gestartet, eine allgemein
verbindliche Richtlinie (Code of Conduct) zu erarbeiten und
durchzusetzen.
Spam ist "out"! E-mail-Marketing ist immer Permission-Marketing.
Fein! Aber was kommt danach?
Double-Opt-In
Die radikalste Form der Erlaubnis zur Versendung von Mails ist das
sogenannte "double-opt-in"-Verfahren. Von Puristen
zur einzig legitimen Methode hochstilisiert, schlägt dieses Verfahren
gleich zwei Haken, um die ungewollte Mail-Sendung auf jeden Fall zu
vermeiden:
Zunächst wird beim Akquirieren der Adresse - wie beim einfachen
opt-in - ausdrücklich die Zusendung weiterer Info-Mails angeboten
(und deren Inhalt umschrieben) und um die Zustimmung (den Klick) des
Angesprochenen gebeten (möglichst noch mit Abfrage seiner Informations-
oder Kauf-Interessen). Dann aber wird dem "Abonnenten" nicht
einfach die nächste Aussendung in die Mail-Box gelegt, sondern er wird
per Email noch einmal ausdrücklich befragt, ab es ihm mit dem Bezug
künfitger Mails/Newsletter auch wirklich Ernst ist. Erst wenn er dies
ausdrücklich bestätigt, landet er in der E-mail (Abonnenten-)
Datenbank.
Der Grund für diesen doppelten Salto ist natürlich die Tatsache,
dass die erste Bestellung nicht eindeutig einer Person zugeordnet werden
kann, i.e. irgendjemand kann im Namen eines beliebigen anderen mit dessen
Mail-Adresse die Bestellung aufgegeben haben.
Ein Verfahren, bei dem allerdings nicht nur die Falschmeldungen und
Irrläufer, sondern auch die faulen, die weniger hoch motivierten und die
schlamperten Interessenten auf der Strecke bleiben. Etwas, was sich das
Marketing nur in den seltensten Fällen leisten kann und sollte.
Zwischen den beiden Extremen: SPAM und Double-Opt-In liegen die drei
"Erlaubnis-Methoden", die wohl eher angetan sind, den
Marketing-Alltag zu bestimmen.
Confirmed-Opt-In
Beim "Confirmed Opt-In" erhält der Newsletter-Abonnent vor dem
Zusenden des ersten Newsletters eine schriftliche Bestätigung des
Abonnements mit einer sofortigen Kündigungsmöglichkeit.
Opt-Out
Diese Methode ist sozusagen "Spam minus". Massenaussendung
an vermutete Zielgruppen ohne deren Zustimmung aber mit der deutlichen
Aufforderung, sich für oder gegen (opt-out) weitere Zusendungen zu
enscheiden.
Dieses Verfahren kann unter drei Voraussetzungen legitim (aber nicht
unbedingt legal im Sinne des Berliner
Landgerichts-Urteils von 1998) sein:
- Die Adressauswahl ist eindeutig auf die relevanten Zielgruppen
eingegrenzt,
- das Informations- oder Produkt-Angebot ist für diese
Zielgruppen von hoher Relevanz und enthält idealiter einen
zusätzlichen Mehr-Wert und
- die Mail ist nur ein kurzer "Anreißer" (Challenge-Mail),
die das Interesse an weiteren Zusendungen abfragt.
Aber selbst dann sollte das Opt-Out-Verfahren immer nur nach sehr
kritischer Prüfung und mit dem geringst-möglichen Reibungswiderstand
(Kurzer Text, Erklärung für die Zusendung vorweg, opt-out-Option ganz am
Anfang deutlich machen) eingesetzt werden.
Andererseits ist die Grenze zwischen Opt-Out und Opt-In
in der Praxis bei weitem nicht so deutlich, wie die polemische Diskussion
gern glauben machen möchte.
An der Grenzlinie bewegen sich z.B. Praktiken des opt-out, bei denen
E-mail-Adressen, die auf Wegen akquiriert wurden, die eine Zustimmung
vermuten lassen, durch kurze Mail-Abfragen mit dem Angebot (z.B. Bezug
eines Newsetters) verifiziert werden.
Opt-In
Bei diesem Verfahren beruht die Zusendunge von E-mails, Newsletter etc.
immer auf der vorherigen Zustimmung der Adressaten, gleichgültig
zunächst einmal, auf welche weise diese Zustimmung zustandegekommen ist.
(s. dazu -->hier)
Bei umfangreichen Befragungsaktionen gekoppelt mit
"Belohnungen" aller Art, bei Gewinnspielen, beim Herunterladen
von Free- und Shareware und natürlich beim Einkauf im Internet wird diese
Genehmigung eingeholt. So entstehen riesige, mehr oder minder gut
sortierte Datenpools von Opt-In-Adressen, die im Internet für
Werbemails genutzt werden und mit denen aber auch gehandelt werde kann.
Während die Adress-Broker in Deutschland diesen Markt nur sehr zögerlich
beackern, boomt in den USA der Handel mit solchen Adressen.
Die Qualität dieser Adressen ist oft fragwürdig und die Grenzlinie
zum Opt-Out oder gar Spam eher fließend.
Der Opt-In-Prozess ist oftmals so gestaltet - und die User sind so
vergesslich - dass auch eine Mail an eine Opt-In-Liste von den Adressaten
als Spam identifiziert und behandelt wird.
Hier ist dann das Look-and-Feel der Mailaussendung von entscheidender
Bedeutung:
"If it looks litke Spam and smells
like spam, some people may consider it spam, even if they did sign up for
it"
Besser aber mühsam: Die eigene Datenbank
Auf der sicheren Seite sind Unternehmen in dieser Frage nur dann, wenn
sie die Adressen selbst gesammelt und gepflegt haben. Das aber ist leider
auch ein langer
und mühevoller Prozeß, bei dem man trotz aller Vorsicht sich plötzlich
unter die Spammer eingereiht und angeprangert sehen kann. Die Mail-Zeloten
mit ihrer Spam-Phobie kennen oft weder Freund noch Feind.
Außerdem ist die Pflege der Datenbanken
weit mühevoller als bei normalen Adressdaten ohnehin schon. Die
Netz-Bewohner sind allemal mobiler als die Bewohner der "realen"
Welt. Sie besitzen verschiedene Mail-Accounts für unterschiedliche Zwecke
(und vergessen oft genug, in diese Mailboxen je wieder hineinzuschauen),
wechseln die Adressen häufig und melden diesen Wechsel dann nicht bei den
von ihnen abonnierten Listen, Newslettern etc., so dass bei jeder
Aussendung ein hoher Prozentsatz ins Leere geht.
(Eine Studie der NFO Worldwide weist nach,
dass weniger als 30 Prozent der User ihre Abos beim Adresswechsel
ummelden, s. Analyse bei eMarketer)
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