Website-Marketing

Woher kommen die Adressen? Hausgemachte Adress-Listen
Da derzeit noch mit "Opt-In" Email-Aussendungen
Response-Quoten erreicht werden, von denen die Offline-Marketer nur
träumen können (auch hier immer cum grano salis, eine
Community-Liste erzielt natürlich immer einen besseren Rücklauf als etwa
eine durch Gewinnspiele aufgebaute Liste) lohnt sich die Investition in
diesen unbequemeren Weg der Adressbeschaffung auf jeden Fall.
"Eigentlich" sollten die Kunden- und
Potential-Datenbanken der Verlage bereits heute die E-mail Adressen
enthalten. Das ist aber kaum irgendwo der Fall. Dort wo eine
"intelligente" Vertriebs-Software eingesetzt wird, ist – dank
der Entwicklungsarbeit der besseren Verlags-Software-Spezialisten vom
"Vertriebssystem" zum "Customer Relations Management"
- auch die Voraussetzung für weitergehende Datenspeicherung und –auswertung
gegeben. Profildaten, soweit nicht ohnehin schon im
"traditionellen" Bestand enthalten, und vor allem Daten aus
Kunden- und Kampagnen-Historien können hier für gezieltes E-mail
Marketing entnommen werden. Auf diese Weise können alle E-mail-Marketing
Maßnahmen mir feinselektierten Adressen ablaufen und den alles
entscheidenden Wettlauf um die Aufmerksamkeit des Users durch hohe Relevanz
der Aussendung gewinnen.
Könnte! Ist aber nicht! Hier ist noch ein weiter, leerer
(und steiniger) Acker zu pflügen.
Wie also kommt man zu einer "hauseigenen" E-mail
Datenbank?
Hier ein paar probate Mittel aus einem schier
unerschöpflichen Reservoir:
-
Zunächst einmal erfüllt jede gutgemachte Web-Site die
wichtigsten Voraussetzungen für den Aufbau einer Interessenten-Datei:
-
Spannenden, nutzwerten Content, der den Appetit auf
mehr weckt, gekoppelt mit eingebauten Response-Funktionen
(E-mail-Formulare, Talk-Back- und Call-Back Buttons, Experten-Foren,
Umfrage-Tools etc.) auf jeder Seite, und natürlich
-
Incentives - materielle oder immaterielle, aber immer
kostenlose - für die Registrierung oder das Ausfüllen eines
Formulars,
-
die Bestell-Funktionen, von der Zusendung von
Info-Material, Probeheft etc. bis zum ausgebauten Shop-System
als Adress-Sammel-Gelegenheit. Was immer an Daten über
diesen Weg in die E-mail-Liste gelangt, ist von hoher Qualität.
Wichtig dabei ist die Gestaltung der Anmelde-Formulare.
So schön eine lange Liste von Eigenschaften zur Profil-Bildung sein
mag, hier ist immer weniger mehr. Oft ist es weiser, zunächst einmal
nur Name und Email-Adresse abzufragen und dann in einem zweiten
Durchgang bei passender Gelegenheit (wenn z.B. ein besonders attraktiver
Nutzen geboten wird) das Profiling nachzuholen. Ein Kompromiss-Lösung
ist das Formular mit wenigen "Pflicht"-Angaben und einer Reihe
von fakultativen Feldern.
Dazu muss eine klare – und klar positionierte - Sicherheitspolitik
(privacy policy) kommen, die dem User auch glaubwürdig
vermittelt werden kann. Keine Weitergabe von Mail-Adressen, Punktum!
Gesetzgeber und Rechtsprechung in Deutschland hat ein
Reihe von Hürden vor die Erhebung und Speicherung solcher Daten
aufgebaut (s.u. unter „E-mail im Recht“).
So ist z.B. die Abfrage auch nur nach dem Namen eines
Abonnenten bei der Anmeldung für einen Newsletter nur erlaubt, wenn dem
Abonnenten gleichzeitig angeboten
wird, sich auch ohne Namensnennung zu registrieren – entweder durch
einen entsprechenden Hinweis zum Anmeldeformular oder durch die
„Sternchen-Lösung“, i.e. nur die E-mail-Adresse wird per Sternchen
als zwingende Voraussetzung gekennzeichnet, alle anderen Angaben sind
fakultativ.
-
Für Ihren Newsletter gibt es selbstverständlich auf
der Startseite und/oder im Navigations-Frame eine hervorgehobene
Bestellmöglichkeit entweder direkt (mit Eingabefeld lediglich für
die E-mail-Adresse, höchstens noch für den Namen) oder als
Button/Link zum Bestellformular, wo dann optional (!!) auch
Profil-Daten abgefragt werden können.
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"Free": Was immer es im Internet
umsonst gibt - und das ist eine Menge - zieht die Scharen der Surfer
unwiderstehlich an. Haben Sie etwas von einigem Wert umsonst
abzugeben, können Sie als Gegenleistung die Zustimmung zur
Speicherung der Adresse bekommen. Das muss nicht ein Produkt sein:
Nutzwerte Informationen, die nur nach Registrierung zugänglich
gemacht oder zugeschickt (z.B. per Autoresponder) werden,
lassen oft auf höhere Motivation schließen, erlauben in der Regel
eine sehr viel bessere Feindifferenzierung der Daten und sind für
viele Zielgruppen nicht weniger attraktiv als irgendein Gimmick.
Furore als Werbeträger wie als "Profil-Getter" haben in
letzter Zeit die sogenannten "AdGames" gemacht. Im Schatten
des "Moorhuhns" 1 und 2 hat sich diese Form des Give-Away
als flexibel einsetzbare Waffe im Kampf um Aufmerksamkeit und
Nutzerbindung erwiesen. (Interessante Ergebnisse einer Studie
der Ruhr Universität Bochum 2002).
Auch durch den Wegfall des Rabattgesetzes öffnen sich hier neue
Chancen: Wer online, z.B. ein Abo, bestellt hat die Wahl zwischen dem
regulären Abo-Preis und einem erheblichen Rabatt, für den dann aber
eine Reihe von Daten und Präferenzen abgefragt werden.
-
Angebot Newsletter: Auch dies ein "Give
Away", aber mit starkem "Community-Potential". Hier
wird dem Besucher nicht die Email-Adresse durch "Bestechung"
abgerungen, sondern er verlangt aktiv, in den Kreis der Informierten
(zu Online-Ereignissen, neuen Produkten, Tipps & Tricks oder auch
nur neuen Inhalten auf dem Server) aufgenommen zu werden.
Die Newsletter-Bestellung (auch) als
"Aufbauhilfe" für die E-mail-Adress-und-Profil-Datenbank ist
es wert, besonders promotet zu werden.
Dazu gehört z.B. :
-
Eine eigene Newsletter-Homepage unter eigener Domain
(oder mindestens Subdomain) als "Startrampe"(s.u.
"Startrampe und Landeplatz"), die sowohl in den
Suchmaschinen als auch bei Linktausch, in der Online-PR oder beim
Virus-Marketing (s.u.) gute Dienste leistet.
-
Der beste Platz, an dem für den eigenen Newsletter
– außer auf der eigenen Homepage – geworben werden kann ist
aber ein anderer, "affiner" Newsletter! Auch wenn`s
kostet, hier lohnt sich eine kleine Text-Anzeige fast immer. (s.
auch unten "Werben in Newslettern")
-
Noch pfiffiger, aber in Deutschland noch so gut wie
unbekannt: Co-Registrierung! Oder besser: Huckepack-Registrierung:
Im Registrier-Formular einer besonders populären und gleichzeitig
"affinen", thematisch verwandten oder an gleiche
Zielgruppen gerichteten Web-Angeboten wird das eigene
Newsletter-Angebot (Kurz-Beschreibung in einem Satz) plus Checkbox
("Ja, möchte ich abonnieren", "Nein, keine
Interesse", sinnvollerweise ohne Voreinstellung)
"angehängt", so dass der Nutzer beim Einstieg in das
Angebot der populären Seite gleichzeitig die Chance hat, Ihren
Newsletter in einem "Aufwasch", ohne noch einmal eine
Registrierung auszufüllen, mit zu abonnieren. Dem
"Gastgeber" wird dann eine zu verhandelnder Betrag pro Abo
bezahlt. (Übrigens kann Co-Registrierung auch genutzt werden für
z.B. ein Probeabo der eigenen Zeitschriften, also auch für
Print-Akquisition)
-
Die üblichen Online-Werbe-Möglichkeiten, wie Banner,
Buttons, Textlinks etc. Je spezialisierter Ihr Newsletter
positioniert ist und je kleiner die Zielgruppe, desto kritischer
muss mit diesen (kostenpflichtigen) Maßnahmen umgegangen werden –
ohne eine Möglichkeit für ein rigoroses Micro-Targeting
(Bestimmung eng gefasster Auswahlkriterien wie Geschlecht, Alter,
Beruf, Ausbildung, Wohnort etc.) ist der Streuverlust zu hoch und
selbst bei erfolgsbasierter Abrechnung (Kosten pro Klick, Kost pro
Lead/Anfrage, Kosten pro Abo) lohnt sich unter dem Strich die Mühe
nicht.
-
Den Virus aussetzen! (s. dazu den Exkurs über
Viral Marketing). Das beginnt mit der Aufforderung an gute (oder
weniger gute) Bekannte, die Botschaft über einen neuen Newsletter,
ein Gewinnspiel, ein besonderes (kostenloses) Angebot, Top-Content und
andere registrierpflichtige Leistungen an möglichst viele "gute
Bekannte" weiterzuleiten, geht über die Kopfzeile eines
Newsletters mit der Aufforderung, die Mail an Bekannte weiterzuleiten
und endet nicht mit der Verpflichtung der
Verlags-/Unternehmens-Mitarbeitern, sich an Newsgroups,
Diskussions-Listen, Foren etc. zu beteiligen und in Text (dezent!) und
Signatur die Botschaft zu verbreiten. Die gleiche Wirkung hat die
Kongress-Teilnahme von Mitarbeitern mit dem "Einsammeln" von
Interessierten und dem nachfassen per E-mail.
Für eine Verlags-Site mit einem ständigen Input
interessanter Inhalte kann es äußerst effektiv sein, die
Überschriften oder Kurzfassungen der jeweils neuesten Artikel kostenlos
an Content-Syndication-Agenturen und News-Distributoren (für sog.
"News-Feeds") für die Verbreitung in anderen Servern, die vom
gleichen Publikum frequentiert werden.
-
Aktionen/Gewinnspiele: Hier liegt die
Registrierung in der Natur der Sache. Gewinnen kann ich nur, wenn ich
meine Adresse preisgebe. In den meisten Fällen ist hier auch noch
Gelegenheit für ein, zwei Fragen zu Interessen, Kaufabsichten etc.
Aber Vorsicht: Schnell ist hier zu viel des Guten getan.
Was hier machbar ist - und was das kosten darf - zeigt
eine über Monate laufende, kooperative Aktion
etlicher Großanbieter im Netz, bei der die User in einem
"Agentenspiel" durch die Web-Sites der teilnehmenden Firmen
geschleust werden und dabei insgesamt 1,3 Mio DM gewinnen können. Ziel
der Aktion: Qualifizierte Nutzer-Profile der (erwarteten) Millionen
Teilnehmer für das Online-Marketing der veranstaltenden Firmen.
-
Offline Werbung für die Online-Registrierung: In
Anzeigen-Kampagnen, Direkt-Mailings, Hand-outs und vor allem in allen
postalischen Kontakten - Angebote,
Update-Begleitschreiben, Rechnungen etc wird für die Eintragung in
die Mailing-Liste geworben - natürlich immer auch hier mit einem
Nutzen-Versprechen bzw. einer direkten "Belohnung".
Insbesondere die regelmäßigen Probe/Mini-Abo-Direkt-Mailings der
Zeitschriften-Verlage an die Potential-Adressen sind ein gutes Mittel,
die E-mail-Adresse auf den Rücklaufkarten mit abzufragen.
Erstaunliche 20-30 Prozent werden dabei heute schon erreicht. Nach dem
Probeheft-Versand kann dann in einem höflichen E-mail-Anschreiben
kurzfristig entweder der Versand bestätigt oder – einige Wochen
später – nachgefragt werden, ob das Heft angekommen und wie es
gefallen hat. Kaum jemand wird das als Spam werten, zumal wenn die
"Opt-Out"-Option (s.o.) prominent in der Mail platziert ist.
Diese Kontakte können zu fruchtbaren Kundenbeziehungen und –Dialogen
führen.
Verlage besitzen darüber hinaus die Print-Medien, in
denen dezent für das Newsletter-Abo geworben werden kann.
-
Autoresponder, denn die speichern in Logdateien
automatisch die Adressen, an die sie Mails versenden. So ist es zum
Beispiel möglich, eine Textanzeige in einem E-Mail-Dienst zu
platzieren, die neben oder auch statt einem HTTP-Link eine
E-Mail-Adresse zur Anforderung von Informationen enthält. Statt die
Informationen manuell zu verschicken, lässt sich hierfür ein
Autoresponder verwenden. Nach einer gewissen Zeit werden dann die
Adressen ausgelesen und für eine Nachfaßaktion benutzt. Da aber in
diesem Falle keine eindeutige Willenserklärung vom User vorliegt,
muss jeder weitere Kontakt klar erkennbar
"Opt-Out"-Charakter haben (s.u. "Autoresponder").
Neben diesen "opt-in"-Sammel-Versuchen gibt
es eine Fülle von legalen, halblegalen und illegalen Techniken, die mehr
oder minder automatisiert E-mail-Adressen aus fremden Dokumenten,
Datenbanken, Web-Sites, Mailing-Listen etc. "absaugen".
Auch hier wieder schießt die Online-Porno-Szene den Vogel
ab, durchaus mit bewundernswerten technischen Fähigkeiten.
Da diese Methoden aber für seriöse Unternehmen tabu sind
(sein sollten), müssen wir darauf an dieser Stelle nicht näher eingehen.
© lb medien 2001
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