Website-Marketing

Zielen und Kontrollieren - Mediaplanung
Bei einer Werbekampagne (für eine Web-Site) im Internet hat sich der
Media-Planer mit einer Reihe von Besonderheiten gegenüber der Planung
etwa für eine Print-Kampagne auseinanderzusetzen:
Die Schnellebigkeit des Internet führt z.B. zu einer sehr
spezifischen "Laufzeitplanung".
Laufzeit und Frequenz
Da die meisten Banner-Kampagnen als Unterstützung von (Offline-)Aktionen
dienen, sind relativ kurze Schaltzeiten und hohe Schaltfrequenzen am
Anfang der Kampagnen die Regel. Solche Schnellschüsse sind sinnvoll und
effektiv etwa bei der Begleitung eines großen Gewinnspiels oder eines
besonderen Angebots auf der beworbenen Web-Site.
Andererseits aber scheinen Studien zu beweisen, dass die Kurzatmigkeit
von Online-Kampagnen - ähnlich wie in anderen Medien auch - den
Höhepunkt der Kampagnen-Wirkung verpasst. (Bei längerfristigen Kampagnen
lag der Höhepunkt der Banner-Klicks, AdClicks, in der fünften
Woche - auch bei den Kampagnen, deren höchsten Schaltfrequenz
(typischerweise) in den ersten zwei Wochen lag.
Wieder vergleichbar mit Strategien für andere Medien auch, werden
Banner-Kampagnen im Internet daher oft "pulsierend" geschaltet,
mit Frequenz-Höhepunkten in gewissen zeitlichen Abständen und dann in
der Regel mit mehr oder weniger stark variierten Motiven.
Der Banner "verschleißt" - Banner Burnout
Entscheidender aber ist die Beobachtung, wie schnell sich ein Banner in
der Aufmerksamkeit des Users "verbraucht". Tatsächlich ist die
Aufmerksamkeitsspanne im Internet noch wesentlich kürzer als etwa bei
einer Zeitschriftenanzeige oder natürlich bei einem TV-Spot.
Als Faustregel gilt , dass ein Banner nach fünfmaligem Aufruf durch
den gleichen Nutzer "ausgebrannt" ist. Diesem "Banner-Burnout"
begegnet der Media-Planer durch eine - je nach Art der Trägerseite -
rasche Banner-Rotation (nicht zu verwechseln mit der Banner-Rotation der
Werbeträger selbst, die damit ihre Belegungen optimieren wollen).
Verschiedene Motive werden, innerhalb der gleichen Kampagne,
"rotiert" um das Auge des Nutzers immer wieder neu zu
reizen.
Die AdServer-Technologie erlaubt heute schon, diese Rotation
individuell auf den User abzustimmen.
Banner Rotation zur Kampagnen-Optimierung
Gleichzeitig dient diese Rotation auch der Optimierung der gesamten
Kampagne: Ein Banner der deutlich weniger "Klicks" liefert als
der Durchschnitt, wird kurzfristig aus dem Verkehr gezogen.
Die "Lautstärke" der Kampagne - Share of Impressions
Wesentlich hängt der Erfolg vor allem einer Markenkampagne (bei den oben
erwähnten Aktions-Kampagnen trifft das natürlich weniger zu) auch von
der "Lautstärke" ab, dem Anteil der eigenen Banner-Präsenz an
den gesamten Banner-Impressions in einem gegebenen Werbeumfeld
(Share of Impressions).
Eine breite Präsenz auf längere Dauer erreichen im Internet
nur ein Prozentbruchteil der Werbetreibenden. Das hat natürlich mit dem
immer noch vergleichsweise (von den üppigen Etats der Dot.coms einmal
abgesehen) winzigen Anteil der Online-Werbung an den Gesamt-Werbeausgaben
zu tun.
Zwei Drittel dieser Werbegelder fließt in unspezifische
Breiten-Kampagnen auf den großen Portalen (AdRelevance II/2000).
Masse statt Klasse - weil es das Budget erlaubt!? Das aber ist bei den
meisten KMUs nicht der Fall.
Werbung in Nischen - Targeting
Ein Unternehmen, das unter diesen Umständen eine halbwegs
durchsetzungsfähige "Präsenz" erreichen will, hat bei
solcherart schmalen Budgets nur ein Chance:
Nischen-Marketing und genaues Zielen (Targeting): Das
Aufstöbern der zielgruppen-affinsten (wenn denn dieser Superlativ erlaubt
ist) Sites mit den motiviertesten, aktivsten Usern. Dort den Banner
platziert und die Klickraten sollten sich vervielfachen ...sollten!(--->mehr)
Targeting - AdServer
Die simple Selektion von "affinen" Sites bzw. Seiten für
die Banner-Platzierung ist für die meisten Werbetreibenden die einzig
mögliche Form des Banner-Targeting. Das Ende der Möglichkeiten ist das
keineswegs.
Wie vor allem beim E-mail-Marketing ist das Endziel auch bei der
Banner-Werbung die persönliche Ansprache des Users mit Angeboten, die
seinen Präferenzen und Gewohnheiten angepasst sind.
Die AdServer-Technologie arbeitet wie die Logfile-Analyse im
wesentlichen mit den Daten, die der Browser des Besuchers an den Server
übergibt. Der AdServer analysiert diese Daten und kann so bestimmte
User-Gruppen identifizieren, denen dann ein ganz bestimmtes, passendes
Banner zielgerichtet zugespielt wird.
Auf diese Weise ist eine gezielte Ansprache möglich nach:
Browser, Browserversion, Betriebssystem (damit per Inferenz nach
User-Typologie), Top-Level-Domain, Land, Provider (also eine grobe
regionale Selektion), Suchwort, Frequenz, Thema, verweisende Seite (Referral),
Suchmaschine, Tageszeit etc.
Mit Hilfe von Cookies (Programme, die in den Browser des Besuchers
"implantiert" werden) auch nach anderen qualitativen Kriterien,
einem aufgrund der Beobachtungen des Nutzer-Verhaltens (Clickstream
Analysis) "automatisch" erstellten Nutzerprofil, und vor
allem nach Besuchs-Häufigkeit.
Diese Möglichkeiten aber sind aus vielen Gründen erheblich
eingeschränkt und auf eher spekulative Annahmen aus den übergebenen
Daten angewiesen.
Aber auch über diese schmale Basis hinaus ist eine gezielte, ja
individuelle Ansprache des Besuchers mit seinen ganz persönlichen
vorlieben machbar.
Targeting - Banner on the Fly
Möglich wird das durch das Zusammentragen vieler Informationen über
den Nutzer und die Kombination dieser Daten in gigantischen relationalen
Datenbanken.
Alles was bereits in den Direkt-Marketing-Datenbanken über den
Offline-Kunden gespeichert ist - und das ist eine Menge - muss nun
"nur" noch mit seiner Online-Identifikation und zusätzlichen
Verhaltensdaten aus seinem Online-Leben kombiniert werden - schon
eröffnen sich phantastische Möglichkeiten:
Nicht nur die persönliche Begrüßung auf einer Site mit
individualisierten Angeboten (Beispiel Amazon) sondern jetzt auch
das Zuspielen der passenden Banner, wann immer und wo immer der User sich
im Internet bewegt (innerhalb des Netzwerks teilnehmender Sites oder gar,
mit der P2P-Technologie, völlig losgelöst).
So begegnet mir zum Beispiel beim Besuch meines favorisierten
Vogel-Portals ein Banner eines Reisebüros, das mir ein Sonderangebot für
meine exotische Lieblings-Vogelbeobachtungs-Urlaubs-Region macht,
abgelöst von einem Banner, das einen neuen Typ von Fangnetzen anbietet.
Gebremst werden diese Visionen allerdings nicht nur von den gewaltigen
Kosten und technischen Risiken sondern - vor allem im Europa - durch den
Widerstand der Datenschützer.
Dass die Key Players in diesem Markt die Grenzen aber so weit
wie möglich hinauszuschieben entschlossen sind, zeigen die Aufkäufe von
und die strategischen Allianzen mit den erfolgreichen Datensammlern und
Software-Schmieden durch traditionelle Marketing- und Medien-Giganten bzw.
die führenden Online-Agenturen (Abacus und Netgravity ->Doubleclick,
Firefly ->Microsoft)
Der Banner-Landeplatz
Die Kehrseite des Zielens und Abfeuerns der Kampagnen-Rakete ist die
sichere Landung am richtigen Ort.
Die Seite, auf die der Banner verweist, muss möglichst genau die
Informationen und Services bieten, die der User beim Klick auf den Banner
erwartet hat. Das ist in der Regel nicht die Homepage!
Ein Banner, der genial gestaltet und in wünschenswerter Klarheit ein
neues Mittel gegen Singstörungen bei Kanarienvögeln anpreist, den
interessierten User dann aber auf die Leitseite eines allgemeinen
Vogel-Portals verweist und ihm zumutet, sich durch drei, vier Ebenen zu
der Seite seines Interesses durchzuwühlen, trägt sicher wesentliches zum
Traffic auf der Site aber kaum etwas zum Verkauf des beworbenen
Produkts bei.
Optimierung auf das Kampagnen-Ziel
Am Ende kommt es ohnehin nicht auf die Größe der eingesetzten Budgets an
sondern auf die Wirkung, die der Media-Stratege pro eingesetzter DM
erzielt und die ihm durchaus ein weit über die Grenzen seines Budgets
hinausgehenden Anteil an der Aufmerksamkeit seiner Zielgruppen (Share
of Mind) und der gewünschten (Re-)Aktionen der User bescheren kann.
Je nach Ziel der Kampagne wir der versuchen, pro eingesetzter DM die
Reichweite (Cost per View), die Klicks (Cost per Click), die
anfragen (Cost per Lead) oder die Verkäufe (Cost per Sale)
zu optimieren.
Keine Banner-Kampgane ist besser als eine schlecht geplante
Während derzeit noch die meisten größeren Unternehmen im Internet quer
durch alle Branchen weit über die Hälfte ihrer Banner-Impressions auf
den großen Portalen, Suchmaschinen und allgemeinen Community-Sites
schalten, fehlt den KMUs das Kapital, um in diesem Umfeld sich wahrnehmbar
zu platzieren. Gleichzeitig aber fehlt oft das Know How, das Verständnis
und die Geduld für die mühevolle Recherche-Arbeit, die zunächst
einmal in ein genaues Targeting investiert werden müsste.
So beißt sich für viele der kleineren Werbetreibenden im Internet
die Katze halt immer wieder in den eigenen Schwanz. Keine Banner-Werbung
ist in solchen Fällen besser als die Verwendung knapper Werbemittel nach
dem Motto: "Dabeisein ist alles".
© lb medien 2001
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